Das
körperbasierte Lernen ist eine erziehungsphilosophische Erkenntnis
unter anderem von dem Philosophen und Psychologen William James,
dem Philosophen und Pädagogen John Dewey, die beide Anfang
des 19. Jahrhunderts lebten sowie dem 1949 geborenen Richard Schustermann,
der an der Florida Atlantic Universität Philosophie unterrichtet.
Der pädagogische Ansatz wurde jedoch theoretisch
erstmals von Alexander Gröschner und Mike Sandbothe entwickelt.
Gröschner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl
Schulpädagogik/Didaktik an der Universität Jena, Sandbothe
hingegen Professor für Medienphilosophie. Ihre Arbeit veröffentlichten
sie im Herbst 2006 unter dem Titel Body Based Learning. Dabei
geht es um die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts zwischen Körper
und Geist während des Lern- und Lehrprozesses. Der Schwerpunkt
liegt dabei, sich über die Bedeutung seines Körpers
bewusst zu sein. Erst mit dieser Erkenntnis ist es möglich,
ein selbstreguliertes und selbstreflexives Lernen zu gewährleisten.
Hierbei unterscheidet man zwischen zwei unterschiedlichen Arten.
Einerseits die Introspektion, andererseits die Extraspektion.
Bei
der Introspektion, das soviel bedeutet wie Selbstbeobachtung bzw.
Selbstwahrnehmung, werden Körpertechniken wie die
Feldenkrais-Methode und die Alexander-Technik
angewendet. In der Feldenkrais Methode beobachten die Teilnehmer
den Lebensalltag eines Menschen und analysieren die einzelnen
Bewegungsabläufe. Dabei werden negative Bewegungsmuster erkannt
und durch positive Alternativen korrigiert. Sei es die Körperhaltung
beim Arbeiten oder auch die Organisierung des gesamten Alltags.
Die Methode findet deswegen auch häufig in der Rehabilitation
nach Verletzungen zur Wiedererlangung der vollen Mobilität
Anwendung. Aber auch im professionellen Sport animiert sie die
Spieler dazu, über ihre eigene Körperhaltung beispielsweise
während eines Torschusses bewusst zu sein.
Bei der Extraspektion werden technische Hilfsmittel wie die Videoanalyse
und die Videografie genutzt. Dabei wird beispielsweise eine alltägliche
Situation über ein Medium wie Video- oder auch Webkamera
aufgenommen und nachher jedes einzelne Detail analysiert. Für
die Analyse wird in der Regel der Computer genutzt, da es hier
gute und hilfreiche Programme gibt. Der Teilnehmer erkennt dabei
aus einer bislang unbekannten Perspektive, ob Veränderungen
in der Mimik, Körperhaltung und Gestik, aber auch in der
Sprache notwendig sind. Häufig erkennen die Teilnehmer erst
mit der Videoanalyse, dass sie beispielsweise zu leise oder zu
schnell sprechen und können dementsprechend an sich arbeiten.
Beide Methodenarten werden heutzutage an den Schulen sehr selten
angewendet, obwohl es eine durchaus hilfreiche Möglichkeit
wäre, den Schülern eine besondere Art der Selbstwahrnehmung
zu bieten. Das körperbasierte Lernen hat sich jedoch bereits
in den verschiedensten Bereichen etabliert, indem moderne Medien
zur Analyse genutzt werden. Sie wird unter anderem zum Training
von Führungskräften in Unternehmen, von Musikern, Schauspielern
und Tänzern als Hilfsmittel herangezogen.
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